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27.01.2018

Zu viele „Fahrkarten“ geworfen

Handball-Verbandsliga: Hagenower SV kassiert mit 16:23 erneut deutliche Derby-Niederlage gegen die TSG Wittenburg

Am Ende war es doch wieder eine klare Angelegenheit. Im Kreis-Derby der Handball-Verbandsliga behielten die Männer der TSG Wittenburg beim Hagenower SV mit 23:16 die Oberhand. Der Halbzeitstand von 9:9 zeigt aber schon, dass das Spiel nicht von Anfang an nur in eine Richtung lief.

Der Rahmen passte: Rund 200 Zuschauer hatten an diesem Abend den Weg in die Otto-Ibs-Halle gefunden. Beide Fan-Lagermachten auf der Tribüne ordentlich Alarm, verstärkt durch akkustische Hilfsmittel – Hagenower Klatschpappen gegen Wittenburger Trommel lautete dort das Duell. Auf dem Feld begannen beide Mannschaften nervös. Dass es in der ersten Halbzeit ausgesprochen torarm zuging, war vor allem ein Verdienst zweier aufmerksamer Deckungsreihen und sehr guter Torhüterleistungen. Michael Struck (HSV) und Berno Pätzmann (TSG) zeichneten sich auch im weiteren Spielverlauf immer wieder mit starken Paraden aus. Keine Mannschaft konnte sich absetzen. Kurz vor der Pause warfen die Hagenower erstmals einen Zwei-Tore-Vorsprung heraus (9:7/25.), schafften es aber nicht, diesen mit in die Kabine zu nehmen. Die TSG glich wieder aus. Letzte Aktion war ein direkt auszuführender Freiwurf, den Mathias Pötzsch krachend an die Latte des Wittenburger Tores setzte.

Die Halbzeit nutzte auch Hartmut Mittelstädt zum Verschnaufen. Der 65-Jährige vom HC Vorpommern Greifswald, der seit mehr als 50 Jahren im Handball aktiv und seit 1994 als Schiedsrichter unterwegs ist, hatte die undankbare Aufgabe, das Spiel auf Grund der dünnen Schiedsrichter-Decke im Land alleine leiten zu müssen: „Ich habe den Jungs vorher gesagt, dass zwei Augen nun einmalweniger sehen als vier.“ Unter dem Strich hätten sich beide Mannschaften in der ein oder anderen Szene ein härteres Durchgreifen gewünscht. Wirklich benachteiligt fühlte sich am Ende aber keiner. „Als Schiedsrichter brauchst du ein dickes Fell. Ich hoffe immer, dass es verletzungsfrei über die Bühne geht. Andererseits – wer austeilt, muss auch einstecken können.“

Nach dem Seitenwechsel setzte sich das Spiel auf Augenhöhe zunächst fort. Bis zum 12:12 (36.). Dann blieben die Gastgeber mehr als zehn Minuten lang ohne Torerfolg. Wittenburg zog auf 17:12 davon (46.). HSV-Trainer Helwig Tügel war in der Auszeit beim Stand von 12:15 (42.) schon etwas lauter geworden: „Leute, das Tor ist das Schwarz-Weiße und nicht die Wand dahinter.“ Der eindringliche Appell brachte aber keine Besserung. Die Hagenower warfen weiter fleißig „Fahrkarten“. Besonders gravierend: Keiner der insgesamt vier Siebenmeter fand den Weg ins Ziel. Dreimal parierte Pätzmann, der vierte wurde über die Latte gesetzt. Die TSG stand in der Abwehr weiter sicher und kam selbst auf der anderen Seite jetzt doch zum ein oder anderen freien Abschluss. Gleich zweimal eroberte Spielertrainer Marcel Neckel nach eigentlich schon abgewehrten Angriffen den Ball zurück und machte in dieser Phase drei Tore in Folge. Spätestens beim 21:13 für die Gäste (54.) war die Partie gelaufen. Mit dem Schlusspfiff erhoben sich die Wittenburger Fans von den Plätzen und feierten die eigene Mannschaft mit standing ovations. Auch die Hagenower Spieler bedankten sich bei ihrem Anhang für die tolle Unterstützung.

„Natürlich möchte man so ein Derby für sich entscheiden. Aber wir haben es in der guten ersten Halbzeit versäumt, uns abzusetzen und nach dem Seitenwechsel den Faden verloren. Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Tim Koch fehlten uns die Mittel im Rückraum. Auf der anderen Seite haben wir sie zu nahe an unsere Deckung ran gelassen“, resümierte HSV-Trainer Helwig Tügel.

Sein Gegenüber, Marcel Neckel, sah bei aller Freude über den Sieg durchaus noch Luft nach oben im TSG Spiel: „Wichtig war, dass wir in einer ersten Halbzeit, die nicht so gelaufen ist, wie wir uns das vorgenommen hatten, noch ausgleichen konnten. In der Folge haben wir uns durch einfache Sachen die nötige Sicherheit geholt, weiter schnell und dann auch konsequent gespielt.“

Thomas Willmann (SVZ v. 29.01.2018)

Hagenower SV: Struck, M. Thiel – J.Tügel (1), Brink (4), Burmeister, Schluck (3), Pötzsch (1), Rinke (2), Pätzold (3), Koch (2), Schomann, Höhn, K. Schilling, Müller

TSG Wittenburg: Pätzmann, E. Schmidt – Widdrus (2), Trester (2), Koberstein, Koch, Kögler (4/1), Stepan (6), Techam (2), H. Schmidt, Neckel (7/1), Heckmann, Jaklin,

7m: HSV (4/0), TSG (3/2);

Zeitstrafen: HSV (3), TSG (2)